Die Phrase „Ruhe in Frieden“ fühlte sich für mich lange leer an. Ein Klischee, fast ohne wirkliche Bedeutung, eine dieser höflichen Floskeln, die man sagt, weil es die Gesellschaft so vorgesehen hat. Mittlerweile verstehe ich, was sie wirklich bedeutet—und finde sie dennoch unglaublich irreführend.

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Arriving at Rest, In Peace

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Wir haben uns lange vor meiner Jugendzeit kennengelernt, als Freunde der Familie bestenfalls Erwachsene waren, die ich nur flüchtig kannte. Musik hat uns früh verbunden. Zu meinem ersten Konzert in einer anderen Stadt sind wir zusammen gefahren. Auf dieser Reise habe ich gelernt, dass man sich in ein Restaurant setzen und entscheiden kann, wieder zu gehen, bevor man etwas bestellt, wenn es einem nicht zusagt. Ich habe gelernt, dass Restaurants in der „ersten Reihe“ oft nur ein mangelhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Es fühlte sich aufregend und eindrucksvoll an.

Später—als ich als Teenager Geld verdienen musste, um mir Auslandsabenteuer zu finanzieren—haben wir zusammen Vorstandspräsentationen auf Englisch gebaut und Quartalsberichte von Unternehmen analysiert, die uns interessierten. Diese Dynamik funktionierte so gut, dass ich bald Vertriebs-KPI-Tabellen erstellte, Promotionstände prüfend besuchte und mich mit 16 auf Geschäftsreisen begeben durfte. Es fühlte sich aufregend und eindrucksvoll an.

Dann kehrten sich die Rollen um, und wir trafen uns zu einem „umgekehrten Praktikum“ an meinem Arbeitsplatz auf dem Harvard-Campus, wo ich als Student zum ersten Mal die volle Verantwortung für ein echtes Geschäft mit echten Konsequenzen übernommen hatte. Davor: ein absurd lautes Bruce Springsteen-Konzert im MetLife Stadion, Crêpes in New Haven auf der Fahrt gen Norden. Aufregend, eindrucksvoll.

Viele weitere Konzerte. Einige gemeinsame Urlaube. Und der Aufbau dieses Unternehmens. Ich erinnere mich daran, wie ich erste Entwürfe für das Logo und die Website noch vor meinem Bachelor-Abschluss kommentiert habe. Wie ich die allererste (schreckliche) PowerPoint-Vorlage gebaut habe. Wie ich zugestimmt habe, nach meinem Abschluss mit „ein bisschen Projektarbeit“ nebenher Geld zu verdienen, für die nächsten Auslandsabenteuer. Ha!

Viele lange, aufschlussreiche und wunderbare Tage und Nächte. Viele Lounges, Flüge und Mietwagen. Ich erinnere mich, ein Foto von uns zu schießen, wie wir mittelmäßige Burger auf der Motorhaube unseres Autos essen, auf dem Weg zu einem Kunden. Ich habe viele Playlists, die in einem spielerischen Hin und Her entstanden sind. Beste Live-Performances. Beste Songs durch die Jahrzehnte. Beste Songs mit Wüsten-Referenzen.

Aufregend. Eindrucksvoll.


People may not remember what you did, but they will remember how you made them feel.

Zeit heilt alle Wunden.

Noch mehr Klischees. Die meisten sind ja aus gutem Grund Klischees, Abkürzungen für viel komplexere Ideen. Unter der Oberfläche, hinter all dieser Komplexität, verbergen sich oft tiefgründige Wahrheiten.


Ich habe so viel mehr verloren als nur einen Geschäftspartner. Ich habe einen Mentor verloren. Einen Freund. In gewisser Weise ein Familienmitglied.

Es ist für mich völlig verständlich, dass viele Menschen wütend werden, wenn der Krebs ihnen ihre Liebsten nimmt. Wir suchen jemanden, den wir verantwortlich machen können; und wenn wir niemanden finden, werden wir nur noch wütender, auf nichts und niemanden außer die tief empfundene Ungerechtigkeit des Universums.

Das ist rückblickend eine grundlegende Eigenschaft, die uns verbunden hat, jenseits gemeinsamer Interessen, einer ähnlich geprägten Sicht auf die Geschäftswelt und ausreichend Neugier, um unseren Altersunterschied zu überbrücken:

Wir haben immer unseren Weg zu friedlicher Vorwärtsbewegung gefunden.

Unsere Wege dorthin hätten unterschiedlicher kaum sein können. Wo der Eine die Balance zwischen innerer und äußerer Welt für sich nutzte, wandte sich der Andere fast ausschließlich auf die eigene innere Perspektive. Am Ende sind wir doch an sehr ähnlichen Orten angekommen.

Wer von uns kann schon sagen, wie wir reagieren würden, wenn wir eine fast sichere Todesdiagnose erhielten, einen praktisch nicht zu gewinnenden Kampf kämpfen müssten, der bestenfalls in einem Unentschieden endet.